Lesegottesdienst für den Sonntag Trinitatis - 07.06.2020

Hier finden Sie den Lesegottesdienst für den Trinitatissonntag von Prädikantin Uschi Sattes - zum Lesen und zuhause Mitfeiern:

Lesegottesdienst Trinitatis
Predigt:
4 Mose 6,22-27
22 Und der HERR redete mit Mose und sprach:
23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie
segnet:
24 Der HERR segne dich und behüte dich;
25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.


Liebe Gemeinde,
Ein Gemeindeglied hat Geburtstag. Die 74-jährige freut sich: „Schön, dass Sie kommen, Herr Pfarrer!“
Für einen der Anwesenden aber Grund aufzu-stehen und sich zu verabschieden: Jetzt ihm nur nachrufen: „Brauchen Sie nicht auch Gottes Segen? Da ist der Mann schon draußen.
Szenenwechsel: Eine Frau kommt herein und schaut verdutzt. Denn der Pfarrer singt gerade: „Gehet hin im Frieden des Herrn!“ Hinterher sagt sie zum ihm:
„Ich bin zwar vorhin zu spät gekommen, weil ich vergessen hatte, meine Uhr wegen der Sommerzeit eine Stunde vorzustellen. Aber die Hauptsache, Herr Pfarrer, die Hauptsache hab ich noch mitgekriegt: den Segen!"
Zwei Menschen, zwei Einstellungen zum Segen. Der eine meidet ihn wie die Pest. Der andere schätzt ihn über alles.
Was ist Gottes Segen für uns? Nur eine liturgische Formel, die eben zum Ende eines Gottesdienstes gehört? Oder ein persönlicher Zuspruch, ohne den wir nicht aus der Kirche hinaus- und in die neue Woche hineingehen möchten? Die Älteren sagen: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“ Stimmt. Größeres, Besseres,
Entscheidenderes als ihn gibt es nicht. Weder für unser Land noch für unsere Stadt Kitzingen auch nicht für unser eigenes Leben. Um mehr als um Gottes Segen können wir nie bitten. Wer ihn hat, der hat die Fülle an Liebe und Güte Gottes. Reicher an Hoffnung und Zukunft kann niemand werden, als wer von Gott gesegnet ist.
Dabei ist der Segen schon weit über 3000 Jahre alt! Mose hatte einst seinen Bruder Aaron und dessen Söhne beauftragt, ihn in Gottes Namen über dem Volk Israel auszusprechen. Erstmals geschah dies am Ende eines feierlichen Gottesdienstes, bevor das Volk vom Sinai aufbrach. Mit seinem Segen wendet sich Gott an ein "Du", das sowohl Israel als Ganzes als auch den einzelnen Israeliten meint. Was für eine Fürsorge: Gott segnet alle und jeden ganz persönlich! Vom lateinischen Wort „signare“ kommt unser deutsches Wort „segnen“. Das Fremdwort „signieren" steckt hörbar darin: „mit einem Zeichen versehen“. Wann und wo
immer wir gesegnet werden, werden wir mit dem Zeichen des Christus signiert: dem Kreuz. Früher zeichnete man die Schafe mit den Anfangsbuchstaben ihrer Besitzer. So wussten die Hirten immer, wem das einzelne Schaf gehörte. Genauso empfangen wir im Segen das Eigentumszeichen Gottes!
Das ist bei unserer Taufe geschehen. Da hat Gott seine Hand auf uns gelegt, uns mit dem Kreuz seines Sohnes gezeichnet und jedem von uns zugesagt:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Gibt es etwas Schöneres und Verheißungsvolleres als dem allmächtigen Gott zu gehören? Ohne jede Vorbedingung oder jede Vorleistung unter seinem Segen stehen zu können? Ich kenne nichts Vergleichbares.
Ich weiß nur, dass im griechischen Urtext des Neuen Testaments das Wort für „Segnen“ auch übersetzt werden kann mit: „Das gute Wort sagen.“ Was für eine Aussage! Im Segen spricht uns Gott sein gutes Wort zu: sein Evangelium – die echt gute Nachricht von seiner vergebenden Liebe. Hören wir die guten Worte des aaronitischen Segens, welchen Tiefgang sie haben! Gleich im ersten Satz:
Der HERR segne dich und behüte dich.
Damit gehen wir einen Schritt aus der Kirche hinaus. Aus der Gemeinschaft unter Gottes Wort hinaus in die Einsamkeit und Gemeinsamkeiten dieser Welt.
Nach Hause, in unseren Alltag als Single. Oder in unsere Ehe und Familie. Wir gehen an unseren Arbeitsplatz oder auch in die Schule. Überall warten viele Aufgaben auf uns, aber auch kleine und große Sorgen und Nöte. Oft fragen wir uns da, ob und wie wir sie meistern werden. Wie gut, wenn dir und mir dann Sonntags für die neue Woche zugerufen wird: Der HERR behüte dich! Denn damit wird uns versprochen: Gottes Hand reicht weiter als nur bis an die Kirchentür! Er geht mit uns. Von ihm signiert mit dem Zeichen des Kreuzes, brauchen wir nicht zu resignieren, aufzugeben oder gar zu verzweifeln. Wir sind behütet!
Heißt das, dass es gesegneten Menschen dann immer nur gut geht? Nein. Der Segen ist keine Versicherung gegen Krankheit oder Unfall. Er ist das Versprechen: Gott ist stets bei uns, ob wir es gerade spüren oder nicht. Und in schweren Zeiten kümmert er sich besonders um uns: dass wir da nicht seelisch Schaden
nehmen – unser Vertrauen zu ihm wegwerfen.
Deshalb schließt das Segenswort von Psalm 121 mit: Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Gott liegt viel daran, dass es unserer Seele gut geht. Ihm liegt unser „Seelenheil" am Herzen, wie unsere Alten sagten. Worin es besteht?
Der aaronitische Segen spricht es uns so zu: Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Eigentlich ein unmöglicher Wunsch! Kann denn Gott bei uns strahlen vor Freude, wenn er unser Leben sieht und durchschaut, was da alles nicht passt an Gedanken, Worten und Taten? Oft sind sie doch genau das Gegenteil von dem, was er von uns erwarten darf. Müsste er da nicht wegschauen oder sein Angesicht gar vor uns verbergen? Es wäre unser Untergang. Wenn da nicht Jesus wäre, der Mann am Kreuz! Wer Jesus sieht, sieht Gott ins Gesicht. Denn er ist ganz der Vater: Barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte. Jesus ist das uns zugewandte, voller Liebe leuchtende Antlitz Gottes. In ihm schauen wir nicht einem zornigen, sondern einem barmherzigen Gott ins Gesicht. In Jesus wartet kein verdientes Gericht auf uns, sondern unverdienter Segen Gottes! In ihm leuchtet Gott über uns wie ein „glühender Backofen voller Liebe“, wie Martin Luther gesagt hat.
Daher lautet der dritte Teil des aaronitischen Segens: Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Wenn Gott uns in Jesus anstrahlt, dann ist das die Gnade pur. Wenn er seinen Blick liebevoll auf uns ruhen lässt, dann ist das vor allem Friede!
Ein Friede, der höher ist alle Vernunft. Ein Friede, der in den Niederlagen und Verlusten des Lebens Halt und Geborgenheit schenkt. Ein Friede, der ein geängstigtes Herz oder schuldbeladenes Gewissen wieder getrost und zuversichtlich macht. Ein Friede, den keiner aus sich selbst heraus hat und auch niemand aus eigener Kraft anderen geben kann. Deshalb ist es falsch, vom Segen des Pfarrers oder des Papstes zu reden. Die Kraft des Segens liegt einzig und allein in Gott selbst!
Nur deshalb dürfen sündige Leute – wie es auch Pfarrer oder Päpste sind – andere Menschen segnen. Nie in ihrem eigenen Namen, sondern weil Gott Aaron und dessen Söhne durch Mose geboten hat: Ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. Vielsagend ist die leere Hand des Segnenden beim Segnen. Denn sie sagt bildhaft: „Ich habe euch nichts zu geben. Der Segen kommt allein von Gott!“

„Segen ist die himmlische Exportware“, hat Jürgen Werth einmal gesagt. Bestimmt für die Ausfuhr in alle Welt. Konzipiert und produziert für uns Menschen. Für Sie, Dich und mich. Von Gott. Mit dem Auftrag, daraus eine Importware zu machen! Ein Auftrag, den jeder Christ hat: Gottes heiligen Namen über Menschen auszurufen, sie ihm ans Herz zu legen und seiner Fürsorge und Führung zu befehlen. Ich denke an einen Lehrer, der überzeugter Christ war. Er hatte viel Freude an seinem Beruf, aber mit einer bestimmten Klasse kam er überhaupt nicht zurecht. Vor jeder Unterrichtsstunde bei ihr hatte er Angst. Als er offen mit einem Freund aus der Gemeinde darüber sprach, fragte der ihn: „Hast du die Klasse schon einmal im Namen Jesu gesegnet?“ Der Lehrer verneinte, und die beiden
sprachen dann längere Zeit über das Thema „Segen“. Wochen später trafen sich die beiden Freunde wieder. „Du, die Situation in der Schulklasse hat sich
völlig verändert“, erzählte der Lehrer. „Die Schüler machen jetzt im Unterricht mit, und wir verstehen uns immer besser. Dass der Segen Gottes eine solche Wirkung hat! Ich bin froh, dass du mich an die Segenskraft Gottes erinnert hast.“ Ja, Gottes Segen hat ungeahnte Wirkung! Daher können wir nichts Besseres tun, als den Namen Gottes auf Menschen zu legen und sie zu segnen – mündlich, schriftlich oder still im Herzen. Denn – um es mit den Worten des evangelischen Predigers Charles Spurgeon zu sagen – „jeder Segen, der von Gott kommt, kommt in Begleitung des Wortes: Fortsetzung folgt. Ich vergebe dir deine Sünden, aber Fortsetzung folgt. Ich nehme dich als mein Kind an, aber Fortsetzung folgt. Ich erziehe dich für den Himmel, aber Fortsetzung folgt. Ich will dich tragen bis ins Alter, aber Fortsetzung folgt. Ich will bei dir sein in der Stunde des Todes, aber Fortsetzung wird folgen bis in alle Ewigkeit.“
So unbeschreiblich groß ist der Segen des dreieinigen Gottes! Deshalb können wir ihn gar nicht oft genug für uns selber hören oder ihn über andere sprechen:
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht
über dich und gebe dir Frieden. Amen.

Fürbitten:
Gnädiger und Frieden schaffender Gott,
wir suchen deinen Segen für uns und für diese Erde.
Wir bitten für alle, die anderen zum Segen werden wollen,
für deine ganze Kirche, die einzelnen Gemeinden,
die verschiedenen Dienste, Einrichtungen, Gemeinschaften und Kommunitäten, – und für alle, die
darin mitarbeiten.
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Wir bitten für alle, denen in Politik oder Wirtschaft ein Amt
anvertraut wurde, dass sie - ob sie es wissen oder nicht – anderen zum Segen werden.
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Insbesondere bitten wir für alle,
die sich um das Ende von Kriegen bemühen.
Wirke ein Schweigen der Waffen und einen dauerhaften Frieden.
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Wir bitten für alle, deren Lebenspläne durchkreuzt wurden,
für alle, die krank oder vom Leben geschlagen sind,
dass ihnen dein Angesicht leuchte in dieser Dunkelheit,
dass Menschen ihr Angesicht auf sie erheben und sie begleiten.
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Herr, wir lassen dich nicht, du segnest uns denn.
So bringen wir in der Stille vor dich,
für wen wir im Besonderen Segen erbitten.
Stille
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Du schenkst uns deinen Segen.
Du machst uns selbst zu einem Segen.
Dir sei Dank in Ewigkeit. Amen
Vater unser

Segen:

So geht als Boten des Friedens,
Gott wird mit euch sein.
Geht als Menschen, die Brücken bauen,
Gott wird mit euch sein.
Geht und setzt Zeichen der Liebe Gottes,
Gott wird mit euch sein.
Geht als Freund eurer Nächsten,
Gott wird mit euch sein.
Geht im Vertrauen auf Gott,
ER wird euch begleiten.
Geht euren Weg als Segensbringer,
und ihr werdet selbst gesegnet sein.
So segne und behüte euch der
allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der heilige Geist Amen


Bleiben Sie gesund und ich freue mich, wenn wir uns in der Kirche zum Gottesdienst wieder sehen.


Uschi Sattes, Prädikantin

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