Predigt zum 1. Sonntag nach Trinitatis

Stadtkirche Kitzingen

Hier lesen Sie die Predigt von Pfarrer Oppelt:

Liebe Gemeinde,

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesu Christi.

Der Predigttext für den ersten Sonntag nach Trinitatis steht geschrieben in der Apostelgeschichte im 4. Kapitel, die Verse 32-37:

„Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte, denn wer von ihnen Äcker oder Häuser besaß, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde- das heißt übersetzt: Sohn des Trostes- , ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.“

Der Herr segne an uns dieses Wort.

Die urchristliche Gemeinde in Jerusalem lebte als Gütergemeinschaft zusammen. Jeder gab das, was er hatte und nahm sich das, was er brauchte. Klingt gut, aber geht das gut? Eine Lehrerin, die ich kenne, hielt etliche Jahre Unterricht in Tansania, ihren Haushalt hatte sie während dessen eingelagert. Als sie wieder zurück kam erzählte sie mir: dort in Afrika hatte jeder 8-10 persönliche Gegenstände. Für hiesige Verhältnisse habe ich eigentlich nicht viel, so hat es mich überrascht, wie groß der Gegensatz war.

Es ging offensichtlich nicht gut, weder Rom noch andere christliche Gemeinden übernahmen diesen Lebensstil. Allzu schnell verschwand dieser Ansatz.

Zwei Dinge waren hier elegant gelöst, das Abendmahl wurde als Sättigungsmahl, vergleichbar mit dem letzten Mahl Jesu gefeiert. Also ganz nah der Einsetzung durch Jesus und es machte die Armen satt. Doch schon der Apostel Paulus klagte darüber, dass die Wohlhabenden schon satt zum Heiligen Mahl kamen, die Armen aber wirklich hungrig.

Um den sakramentalen Charakter des Abendmahls nicht zu gefährden, brauchte man eine andere Lösung. Diakone wurden gewählt und eingesetzt, die sich um das Wohl der armen Gemeindeglieder kümmerten.

Bis zum heutigen Tag ist die Diakonie ein sehr wichtiger Teil kirchlicher Arbeit. Er wird gerade von Außenstehenden als Kirche wahrgenommen. Gottesdienst, kirchliche Bildungsarbeit, Spiritualität sind Angebote, die oft nur von einem kleinen Kreis in Anspruch genommen werden. Unser Ziel muss es sein, die Diakonie zu stärken und andere Teile unserer kirchlichen Arbeit zu fördern. Gott schenke uns ein offenes Herz und eine offene Hand, damit wir vor Ort und in der Welt helfen können.

Gott gebe uns das Augenmaß für die richtige Nähe und den Abstand zu unseren Nächsten, damit wir sie und uns nicht gefährden.

Amen.

 

Gebet:

Gütiger Gott,

Du wirst andere Menschen aus uns machen,

aber du zerstörst uns nicht.

Das ist unbegreiflich und schön,

darüber können wir uns freuen.

Denn wir leiden an uns selbst,

dass wir nicht sind, wie du uns haben willst.

Wir bitten dich:

 

Gewähre uns genug Zeit,

dass der neue Mensch wachsen kann.

Biete uns den nötigen Raum an,

damit wir nicht heimatlos werden,

wenn wir vertraute Standpunkte verlassen.

Wir wünschen uns das auch

Für unsere Weg- und Zeitgenossen:

Damit wir niemanden danach beurteilen,

was er im Augenblick darstellt,

sondern herausfinden,

wer er ist.

Gewähre uns Geduld,

 

dass wir einander Zeit geben

und Räume eröffnen,

damit wir miteinander werden können,

wie du es gemeint hast.

 Wir sind alle nur

 

Deine verzerrten Ebenbilder.

Wandle uns in das Bild Jesu,

der ein Mensch war nach deinem Herzen.

Damit der Tag kommt,

an dem deine Liebe alles erfüllt.

Amen.

 

Es segne und behüte uns der allmächtige barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

 

Amen.

Lied EG 166, 1-3 Tut mir auf die schöne Pforte